Resiliente Wohnungsmärkte für ein wettbewerbsfähiges Europa

 

Am 7. Mai 2026 fand das SME Connect Arbeitsfrühstück „Resiliente Wohnungsmärkte für ein wettbewerbsfähiges Europa“ im Europäischen Parlament in Brüssel statt, gehostet von Markus Ferber, Mitglied des Europäischen  Parlaments und Mitglied des Sonderausschusses zur Wohnungskrise in der Europäischen Union und brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Finanz- und Immobilienwirtschaft sowie der Plattformökonomie und dem Tourismus zusammen, um über die Zukunft der europäischen Wohnungsmärkte zu diskutieren. Im Zentrum der Debatte standen die Regulierung von Kurzzeitvermietungen, die Optimierung von Investitions- und Finanzierungsbedingungen sowie die Schaffung bezahlbaren Wohnraums in Europa.

Markus Ferber MdEP betonte dabei, dass europäische Regulierungen bereits heute erheblichen Einfluss auf die nationalen Wohnungsmärkte ausüben. Er erläuterte, dass die zentrale Herausforderung in einem massiven Angebotsproblem bestehe, da die Nachfrage stetig steige, während gleichzeitig zu wenig neu gebaut werde; entsprechend sprach sich Ferber gegen zusätzliche Marktinterventionen aus und plädierte stattdessen für Vereinfachungen, schnellere Genehmigungsverfahren und bessere Investitionsbedingungen.

Stefan Moser, Referatsleiter für Wohnungsstrategie und -koordinierung bei der Europäischen Kommission, erklärte, dass die EU die Wohnungspolitik keineswegs zentralisieren wolle, sondern vor allem europäische Mehrwerte schaffen könne, wobei er die Bedeutung der Subsidiarität sowie den Austausch bewährter Praktiken zwischen den Mitgliedstaaten hervorhob und auf laufende Maßnahmen der Kommission zum Bürokratieabbau sowie zur Investitionsförderung verwies.

Nadja Reusch, Leiterin Government Affairs (DACH & CEE) bei Airbnb, machte deutlich, dass die Kurzzeitvermietung differenziert betrachtet werden müsse und nicht pauschal als Ursache der Wohnungskrise dargestellt werden dürfe, zumal viele Gastgeber lediglich einzelne Unterkünfte anböten, um ein begrenztes Zusatzeinkommen zu erzielen; sie sprach sich dafür aus, die neuen europäischen Transparenz- und Datenaustauschregelungen zunächst wirken zu lassen, bevor über weitere Eingriffe entschieden werde.

Florian Hesse, Referent für Europapolitik beim Zentralen Immobilienausschuss, ergänzte, dass zahlreiche europäische Regelungen bereits heute den Bausektor beeinflussen, und begrüßte zwar die Ansätze der Kommission zur Verfahrensvereinfachung, warnte jedoch vor einer weiteren Verschärfung der Regeln für Kurzzeitvermietungen und forderte mehr Flexibilität auf nationaler und kommunaler Ebene.

Paul Pasquali, Geschäftsführender Direktor für Regierungs- und Stakeholder-Angelegenheiten bei Raiffeisen Bank International, hob hervor, dass die Wohnungsmärkte innerhalb Europas sehr unterschiedlich seien und daher keine Einheitslösungen zuließen, wobei er auf die verschiedenen Eigentumsquoten, Wohnkosten und Finanzierungssysteme verwies und betonte, dass man nicht alles über einen Kamm scheren dürfe, weshalb er sich zudem für mehr Proportionalität in der Bankenregulierung aussprach.

Sebastian Stodulka, Leiter des EU-Verbindungsbüros der Erste Group Bank, unterstrich die essenzielle Rolle der Banken bei der Finanzierung leistbaren Wohnraums und gab zu bedenken, dass der enorme Investitionsbedarf nicht allein durch öffentliche Mittel gedeckt werden könne, weshalb er insbesondere die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Europäischen Investitionsbank und die Bedeutung gemeinsamer politischer Rahmenbedingungen hervorhob.

Michael Jäger, Präsident des Europäischen Steuerzahlerbundes, betonte ebenfalls die Wichtigkeit von Subsidiarität und lokaler Entscheidungsfreiheit, warnte vor übermäßiger Regulierung mit dem Hinweis, dass Regulierung allein keinen Wohnraum schaffe, und forderte stattdessen stärkere Investitionsanreize sowie optimierte Verfahren.

Zum Abschluss unterstrich Horst Heitz, Vorsitzender des Steering Committees von SME Connect, die Bedeutung eines offenen und praxisorientierten Dialogs zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und hielt fest, dass ausgewogene Lösungen notwendig seien, um Investitionen zu fördern, Bürokratie abzubauen und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum in Europa langfristig zu sichern.