Mentale Gesundheit von Selbstständigen – reflektiert von Wissenschaft, Spitzensport und der Beitrag der EU

Die Podiumsdiskussion „Mentale Gesundheit von Selbstständigen – reflektiert von Wissenschaft, Spitzensport und dem Beitrag der EU“ fand am 25. Februar 2026 im Europäischen Parlament in Brüssel statt. Gastgeberin war Angelika Winzig, Mitglied des Europäischen Parlaments und Mitglied der Intergroup Mental Health. Vertreterinnen und Vertreter aus europäischer Politik, Wissenschaft, Krankenversicherung, Spitzensport und Unternehmenspraxis diskutierten die besonderen Herausforderungen der mentalen Gesundheit von Selbstständigen.
Angelika Winzig MEP eröffnete die Veranstaltung mit dem Hinweis, dass mentale Gesundheit gemeinsam durch europäische Politik, Wissenschaft und praxisnahe Maßnahmen gestärkt werden müsse. Sie betonte, dass psychische Erkrankungen nicht nur eine soziale, sondern auch eine erhebliche wirtschaftliche Herausforderung darstellen und Prävention daher eine strategische Priorität ist. Zudem hob sie die Bedeutung von Forschung, Vernetzung und Best-Practice-Ansätzen hervor, unter anderem aus dem Spitzensport.

Michael Förster, Geschäftsführer, Bund der Selbständigen – Gewerbeverband Bayern e.V., betonte, dass die mentale Gesundheit von Selbstständigen ein systemrelevanter Faktor für wirtschaftliche Stabilität und Innovationsfähigkeit ist. Er machte deutlich, dass psychische Belastungen bei Unternehmerinnen und Unternehmern aufgrund fehlender sozialer Sicherungssysteme besonders gravierende Folgen haben können. Förster sprach sich für ein strukturiertes Unterstützungssystem aus, das Prävention, frühe Warnsignale und einen schnellen Zugang zu professioneller Hilfe verbindet.
Bastian Biermann, Leiter Büro Brüssel, Verband der Privaten Krankenversicherung e.V., stellte die Perspektive der Krankenversicherer vor und verdeutlichte die wachsende ökonomische Bedeutung psychischer Erkrankungen anhand konkreter Zahlen. Er verwies auf jährliche Behandlungskosten von über 50 Milliarden Euro in Deutschland sowie auf den hohen Anteil psychischer Erkrankungen an Krankschreibungen. Prävention und evidenzbasierte digitale Gesundheitsangebote müssten fester Bestandteil der Gesundheitsversorgung werden, insbesondere für Selbstständige.

Prof. Dr. Marion Flechtner-Mors, Ernährungswissenschaftlerin, beleuchtete das Thema aus wissenschaftlicher und europapolitischer Sicht. Sie skizzierte die Entwicklung der EU-Initiativen zur mentalen Gesundheit bis hin zur EU-Mental-Health-Strategie von 2023. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass Selbstständige bislang kaum als eigenständige Zielgruppe in Daten, Präventionsprogrammen und politischen Strategien berücksichtigt werden.
Adrian Brüngger, CEO HYPNOSE.NET GmbH, ehemaliger Head-Coach der 1. Mannschaft Pfadi Winterthur Handball, stellte emotionale Selbstregulation als zentrale Grundlage mentaler Stärke und Leistungsfähigkeit vor. Anhand von Erfahrungen aus dem Spitzensport zeigte er, wie mentales Training, Prävention und Regeneration die Resilienz nachhaltig stärken können. Diese Ansätze sollten stärker auf unternehmerische Tätigkeiten übertragen werden.
Ralf Rometsch, Unternehmensberater, RKW Baden-Württemberg, berichtete aus seiner Beratungspraxis mit kleinen und mittleren Unternehmen. Er zeigte auf, wie hohe Eigenverantwortung, dauerhafte Belastung und fehlende Balance die mentale Gesundheit von Selbstständigen beeinträchtigen können. Netzwerke, Coaching und gezielte Resilienzförderung seien wichtige Schutzfaktoren.

Dipl.-Päd. Univ. Eva-Maria Popp, Unternehmensberaterin für soziale Themen und Autorin, legte in ihrem Beitrag den Fokus auf die Machbarkeit der Maßnahmen. Es ist sehr wichtig, den Betroffenen konkrete Schritte zu zeigen, mit denen sie sich schützen können oder eine Heilung erfahren. Der erste Schritt ist immer der Wichtigste. Das Zauberwort heißt niederschwellig. Die Informationen müssen leicht erreichbar, die Maßnahmen leicht durchführbar sein. Deshalb ist es das Gebot der Stunde die Möglichkeit der Vernetzung von Anbietern mit den Betroffenen zu forcieren.
Wolfgang Krenn, Mountainbiker (Gravel-AUT) und Coach bei Krennfit – Training Agency, brachte die Perspektive des Ausdauer- und Spitzensports in die Diskussion ein. Auf Grundlage seiner Erfahrungen in Hochleistungsumfeldern reflektierte er, wie Athletinnen und Athleten mit Unsicherheit, Druck und Rückschlägen umgehen – Herausforderungen, die auch vielen Selbstständigen aus ihrem beruflichen Alltag vertraut sind. Sein Beitrag zeigte auf, wie Erfahrungen aus dem Sport wertvolle Impulse zur Stärkung von Resilienz und mentaler Gesundheit im unternehmerischen Kontext geben können.
Patrick Wind, Geschäftsleiter Burnout-Netzwerk, brachte die Perspektive der praktischen Burnout-Prävention und Begleitung von Betroffenen in die Diskussion ein. Er betonte, dass Selbstständige häufig unter dauerhaftem Leistungsdruck, wirtschaftlicher Unsicherheit und hoher persönlicher Verantwortung arbeiten, während gleichzeitig institutionelle Unterstützungsstrukturen oft fehlen. Dadurch würden mentale Belastungen häufig erst dann sichtbar, wenn sie sich bereits in ernsthaften gesundheitlichen oder wirtschaftlichen Krisen manifestieren. Wind unterstrich die Bedeutung von frühzeitiger Sensibilisierung, niedrigschwelligen Präventionsangeboten und stabilen Unterstützungsnetzwerken, um Selbstständige rechtzeitig zu erreichen und ihre Resilienz langfristig zu stärken.
